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Ortschronik Stockhausen

Von den Hügelgräbern der Bronzezeit über Fehden, Kriege und die Herrschaft der Riedesel bis zum Ende des 20. Jahrhunderts: die Geschichte des Dorfes Jahr für Jahr.

Zusammengestellt von Hans-Jürgen Döll, Arbeitskreis Dorfgeschichte Stockhausen. Original: www.hjdoell.de

Vor- und Frühgeschichte

  1. ca. 1800–800 v. Chr.

    In der Bronzezeit ist die Gegend schon besiedelt. Grabbeigaben aus den zahlreichen Hügelgräbern rund um das Dorf stammen aus dieser Zeit.

  2. ca. 1200 v. Chr.

    In der sogenannten Hochbronzezeit erreicht auch die Hügelgräberkultur ihren Höhepunkt.

  3. ca. 900 v. Chr.

    Die Besiedlung ist enger geworden; an die Stelle der einzelnen Hügelgräber treten nach und nach die Urnenfelder.

  4. ca. 800 v. Chr.

    Ungefähr zu dieser Zeit kommen die Kelten in die Gegend.

  5. ca. 160

    Beginn der germanischen Völkerwanderung.

  6. ca. 310

    Die Völkerwanderung kommt zur Ruhe.

  7. ca. 350

    Beginn der Besiedlung der Wetterau und des Vogelsbergs durch die Chatten. Die Alemannen werden nach Süden gedrängt, die Chatten gehen als Hauptstamm in den zweiten großen germanischen Bund, die Franken, über.

  8. ca. 400–600

    Aus der eigentlichen germanischen Zeit finden sich in den Wäldern keine Grabhügel, aber zahlreiche ehemalige Wohnstellen, sogenannte „Wohnpodien“.

  9. ca. 500

    Bis etwa 500 lebt die keltische Bevölkerung im Dorf; sie wird jetzt von nachdrängenden Germanen vertrieben.

  10. nach 500

    Die Chatten dringen in das Vogelsberggebiet ein. Sie folgen den Fluss- und Bachläufen, roden die Sumpfwälder und gründen vermutlich das Dorf an seinem heutigen Platz.

  11. ca. 600

    In Fulda besteht ein fränkischer Königshof, zu dem die Umgegend gehört.

  12. ca. 700

    Der fränkische Königshof in Fulda wird, vermutlich durch einen Einfall der Sachsen, zerstört.

  13. 743

    Der fränkische Hausmeier Karlmann schenkt Bonifatius das Gebiet um Fulda („Eihloha“) für die Gründung eines Klosters.

  14. 744

    Am 12. März wird das Kloster Fulda durch Abt Sturmius gegründet.

  15. 812 und 822

    In der Kirchspielbeschreibung der Kirche Großenlüder werden der Molkenborn und der Stickelstein (Stekkentenstein) genannt.

  16. um 850

    In der Gegend herrscht eine große Hungersnot.

Mittelalter

  1. 1012

    König Heinrich II. schenkt dem Kloster Fulda den alten Bannforst (Wildbann) Zunderhardt zwischen Moos und Schlitz – damit auch das Stockhäuser Gebiet.

  2. vor 1200

    Aus dieser Zeit stammt ein Taufstein, der heute wieder in der Kirche steht. Er war einst ausgemustert, diente im Pfarrstall sogar als Pferdetränke und stand auch einmal als Blumentopf im Pfarrgarten.

  3. 16. 5. 1287

    Erste Erwähnung von Stockhausen: Zur Gründung des Klosters Blankenau werden auch Güter und Einkünfte in Stockhausen gestiftet.

  4. 1296

    Syffridus, Miles de Eysenbach, und seine Gattin Alkeidis vermachen ihre Güter, unter anderem eine Mühle zu Stockhausen, dem Kloster Blankenau. Die Ländereien waren das Leibgeding (die Aussteuer) der Ehefrau.

  5. 1296

    Stockhausen ist fuldisches Gericht. Dazu gehören Stockhausen, Rixfeld, Schadges, Niederndorf, Vietmes, Bedelsdorf, Dankenrod, Gerwigesdorf, Brüglos, Richolfes und Rispach.

  6. 1312

    Mechthildis, die Witwe Trabothos von Eisenbach, vermacht dem Kloster Blankenau ihr Dorf Rispach (Wüstung bei Stockhausen) und den Reisberg.

  7. 1324

    In einem Schreiben von Fürstabt Heinrich VI. wird „Kirchstockhusen“ genannt. In Stockhausen gibt es also nachweislich seit dem 14. Jahrhundert eine Kirche.

  8. 1361

    Diese Jahreszahl stand auf dem Turm der alten Kirche, der in diesem Jahr für die schon vorhandene Kirche neu erbaut wurde.

  9. 29. 6. 1395

    Laut Schenkungsurkunde erhält das Kloster Blankenau von Röhrich von Eisenbach die Eisengruben im Gericht Stockhausen. Eisen fand man am Arnberg (Ahornberg), dem heutigen Reisberg, und im Stickelstein.

  10. 23. 6. 1405

    Die Schenkung wird um ein „Frischwasser“, die Nente in der Nähe von Rispach, erweitert.

  11. 1428

    Mit dem Tod des Ritters Röhrich stirbt der Mannesstamm derer von Eisenbach aus. Am 17. Januar wird der Ehevertrag seiner Tochter Margaretha von Röhrenfurt mit Ritter Hermann Riedesel geschlossen – die Herrschaft der Riedesel beginnt. Seitdem tragen die Riedesel das Gericht Stockhausen als fuldisches Lehen; vorher gehörte Stockhausen zu Fulda.

  12. 10. 2. 1441

    Der Abt von Fulda gibt Hermann Riedesel das Patronatsrecht über die Kirche zu Lauterbach und die Stiftungsgüter zu Stockhausen, Ilbeshausen, Landenhausen, Salzschlirf und Schlechtenwegen zum Lehen (im sogenannten Besserungsbrief).

  13. 1465–1471

    Spannungen zwischen den Riedeseln und dem Abt von Fulda lösen die große fuldische Fehde aus. Man schädigt sich gegenseitig durch Mord, Raub, Brand und Gefangennahme. Manche Dörfer und Weiler gehen in Flammen auf, so Bedelsdorf, Gersdorf, Niederndorf, Rissbach, Bruwels und Richolfes, die danach alle wüst liegen.

  14. 1467

    Wegen der Lehenshoheit bricht die Riedeselsche Fehde gegen den Abt von Fulda aus. Sie wird mit großer Härte geführt und trifft vor allem die Untertanen – außer in Dörfern, in denen beide Parteien Besitz haben (gemengte Güter). So bleibt Stockhausen weitgehend verschont.

  15. 7. 6. 1467

    Auf Bitten der Äbtissin von Blankenau bleiben die Dörfer Blankenau und Stockhausen (als fuldisches Lehen) neutral und werden nicht verwüstet.

  16. 29. 10. 1471

    Friedensschluss. Der erste fuldische Schenkbrief für Hermanns Söhne weist Stockhausen als eigen genanntes Lehnsstück aus.

  17. 1489

    Hermann Riedesel ist verschuldet und verpfändet das Dorf Stockhausen und die dortige Waldschmiede dem Abt von Fulda.

Reformation und Riedesel-Herrschaft

  1. 1507

    Da ihm Stockhausen am Herzen liegt, löst Hermann Riedesel die Pfandschaft mit geliehenem Geld wieder ein.

  2. 11. 5. 1524

    Die Schöffen weisen auf dem Gerichtsplatz unter der Linde in Stockhausen die Landscheidung aus und machen eine Grenzbegehung, wie sie in gewissen Abständen immer wieder stattfindet.

  3. 23. 10. 1527

    Der evangelische Pfarrer Kaspar Haun wird vom Abt von Fulda seiner Stelle enthoben und ein katholischer eingesetzt. Daraufhin trennt Hermann Riedesel seine Dörfer ab und weist sie Stockhausen zu, da hier das „göttlich Wort lauter und rein gepredigt werde“. Die Reformation im Gericht Stockhausen ist vollzogen.

  4. 1527

    Hermann Riedesel schafft so das Kirchspiel Stockhausen mit den Orten Altenschlirf, Rixfeld, Schadges, Steinfurt und Schlechtenwegen.

  5. 1534

    Das Kloster Blankenau klagt gegen die Riedesel, weil es aus acht inzwischen wüsten Dörfern verdrängt wurde und die Riedesel deren Bewohner genötigt hatten, sich in Stockhausen anzusiedeln. Das Dorf hat durch die Fehde also sogar an Bevölkerung gewonnen.

  6. 23. 7. 1549

    Fuldische fallen mit 40 Reitern und 600 Mann Fußvolk in Stockhausen ein, besetzen den Kirchhof, nehmen den Leuten das gemähte Gras von den Wiesen und pfänden das Vieh im Ort und auf den Weiden.

  7. 1558–1563

    Adolf Hermann Riedesel erbaut die Hermannsburg im „Sumpf zu Stoghusen“. Sie soll die Inschrift getragen haben: „Daß dieses Haus so närrisch leit, verschuld eitel Haß und Bosheit.“ Die Hermannsburg stand im heutigen oberen Schlossgarten hinter dem Platz des neuen Schlosses – ein schönes, nicht sehr großes, zum Teil aus Holz gebautes „Schlösschen“. Heute ist nur noch ein Kellergewölbe erhalten.

  8. 1561

    Hermann Riedesel kauft von den Kindern des verstorbenen Johann von Merlau die Hälfte und von Kraft Rau zu Holzhausen ein weiteres Viertel des Merlauschen Hofes zu Stockhausen.

  9. um 1565

    Der erste evangelische Pfarrer, Springelius Niger aus Herborn, tritt seinen Dienst in Stockhausen an.

  10. 1565

    Um Holz zu sparen, erlassen die Riedesel eine „Holzordnung“: In jedem Dorf soll ein Gemeindebackhaus gebaut werden, die alten Backöfen dürfen nur noch im Herbst zum Birnentrocknen benutzt werden. Willkürliches Fällen von Bäumen und das Aufhauen von Windfall werden verboten; dafür erhält jedes Hausgesäß jährlich zwei Klafter Brennholz.

  11. 1569–1572

    „Mutschierung“ des Riedesellandes: Die bisher gemeinsamen Besitzungen und Stammgüter werden zwischen Adolf Hermann Riedesel und seinen beiden Vettern aufgeteilt.

  12. 22. 6. 1578

    Adolf Hermann Riedesel klagt, seine Vettern wollten ihm verbieten, in Stockhausen ein eigenes Gefängnis zu bauen.

  13. 1580

    Kirchenuhr, Taufkessel und Glockenseile werden repariert.

  14. 14. 7. 1582

    Adolf Hermann Riedesel stirbt, mit ihm die Hermannsburger Linie der Riedesel. Am 22. Juli huldigen die Bürger und Bauern den Junkern an der Linde vor dem Kirchhof und werden neu verpflichtet.

  15. 1586

    Der sogenannte große Erbvertrag zwischen der Witwe Adolf Hermanns, Ursula Förtsch von Thurnau, und den Vettern wird geschlossen. Die Hermannsburg fällt an die Vettern Johann VIII. und Volprecht II.

  16. 1599

    Die beiden Brüder stellen das schon verfallende Gebäude wieder her. Daran erinnerte eine lateinische Inschrift auf einem Stein im großen Saal, die mit dem ganzen Bau verloren ist. In deutscher Übersetzung:

    „Der hochheiligen Dreieinigkeit geweiht. Das Jahr 1563 ist mein Geburtsjahr. Mein Gründer war der edle und feste Adolf Hermann Riedesel zu Eisenbach, Erbmarschall zu Hessen. Als er gestorben war, wollte auch ich langsam sterben und als sein Gehäuse wie Trümmer zerspringen. Und ich wäre eingestürzt, wenn mir nicht unter den Nachfolgern, den Brüdern Johann und Volpert desselben Geschlechts, die mir zu Hilfe kamen, neue Hölzer und Kernhölzer und Dächer und viele Zierde gegeben worden wären; so werde ich als ständiges Denkmal für die Nachkommen bleiben, dass väterliche Eintracht nicht zu Grunde gehen lässt. Im Jahre des erneuten Heils 1599“
  17. 1599

    In die Sakristei der Kirche wird eingebrochen, alle Altartücher werden gestohlen.

  18. 1603

    Von Heinrich Döll wird ein Gebäude gekauft und als Schule eingerichtet. Hier zieht die erste Freischule ein, als Tochter der Kirche.

  19. 1609

    Johann und Volprecht Riedesel stiften der Kirche zu Stockhausen ein Legat von 1.110 Gulden. Das Geld wird jedoch ganz für Reparaturen verbraucht.

  20. 1612

    Die Pest herrscht in Stockhausen.

  21. 1616

    An der Stelle der kleinen Kapelle zum heiligen Kreuz wird ein „Mauerschädel“ erwähnt, „Heilig Hauk“ genannt, der später wieder „Heilig Kreuz“ heißt.

Dreißigjähriger Krieg

  1. 1623

    Die Kirchenfenster, von bayerischen Soldaten eingeworfen, müssen für 2 Gulden und 11 Gnacken repariert werden.

  2. 1626

    8.000 Ulanen liegen acht Tage lang im Riedeselland, viele davon in Stockhausen, und plündern das Dorf aus.

  3. 1627–1628

    Zerstörungen an Pfarrhaus, Kirche und Schule; Fenster und Türen müssen nach Beschädigungen durch die „wilde Soldateska“ repariert werden.

  4. 1631–1632

    Mitten im Krieg wird die Mauer des Kirchturms um 9 Fuß erhöht und mit einem neuen Dach versehen.

  5. 1631–1632

    Verheerungen durch „Pappenheimische“ Truppen. Auch „Tillysche“ Verbände ziehen durch und hausen furchtbar: Türen von Kellern, Scheunen, Kammern und Ställen werden zerschlagen, die Kirche aufgerissen, Pferde hineingestellt, Glockenseile abgerissen und alles verwüstet.

  6. 19. 7. 1634

    Das Holsteinische Regiment soll nach Stockhausen kommen. Johann und Volprecht Riedesel reiten ihm nach Schlitz entgegen und bewegen die Befehlshaber, ins fuldische Blankenau zu ziehen – dafür fließt sogar „Schmiergeld“.

  7. 25. 9. 1634

    Früh am Morgen kommen die Kroaten nach Stockhausen, denen sich im Fuldischen etwa 3.000 Bürger und Bauern angeschlossen haben, bewaffnet mit Musketen und Büchsen, Spießen, Stangen, Hellebarden und Äxten. Sie plündern das Dorf und die Hermannsburg und versuchen vergeblich, die Burg in Brand zu stecken.

  8. 1635

    Der Pfarrer zieht ins Schulhaus, weil Fenster und Türen des Pfarrhauses zerstört sind. Durch den Dreißigjährigen Krieg verliert das Dorf fast die Hälfte seiner Bewohner.

  9. 1638

    Viele Güter im Ort stehen leer; ihre Bewohner wurden vom Kriegsvolk vertrieben oder kamen ums Leben.

  10. 1649

    Pfarrer Köhler schreibt wegen der andauernden Kriegsgefahr einen Seufzer ins Taufbuch: „Gott gebe uns ein gut newes Jahr und rett uns vor aller Gefahr!“

Vom Wiederaufbau bis zum Schlossbau

  1. 1655

    Der Kirchhof besitzt ein Totenbeinhaus, die Kirche vermutlich schon eine Orgel. Ein Schreiber berichtet, dass es um diese Zeit hier mehr Wölfe als Schafe gab.

  2. 1658

    Nach 1650 folgen mehrere gesegnete Jahre; es gibt keine Hausarmen mehr im Dorf.

  3. 1672

    Altenschlirf, Schlechtenwegen und Steinfurt werden von der Stockhäuser Kirche getrennt und bilden mit Weidmoos und Nösberts ein eigenes Kirchspiel. Vom 20. bis 22. September lagert kaiserliche Artillerie in Stockhausen.

  4. 1678

    An der Stelle der heutigen Bärenmauer wird der letzte wild lebende Bär der Gegend erlegt.

  5. 1684

    Der Streit mit dem Kloster Blankenau über Landbesitzrechte auf Stockhäuser Gebiet endet mit einem Vergleich.

  6. 1687

    Georg Riedesel gründet das Legat für die Kirche mit 600 Gulden neu. Durch immer neue Stiftungen wächst es bis zum Kirchenneubau auf 42.000 Gulden an.

  7. 1701

    Orgelbauer Johannes Bien aus Blankenau unterzieht die alte Kirchenorgel einer Hauptreparatur.

  8. 1756–1762

    Auch im Siebenjährigen Krieg wird Stockhausen durch Einquartierung und Fouragierung schwer mitgenommen.

  9. 1757

    Vom 3. Dezember bis 2. März 1758 sind Teile des Reiterregiments „Gramont“ und Saarbrückische Volontäre in Stockhausen einquartiert, die am 5. November 1757 bei Roßbach von Friedrich dem Großen geschlagen worden waren.

  10. 1759

    Im Frühjahr wird das Dorf mit hessen-kasselischen und hannoverschen Truppen belegt. Am 31. März sind Stockhausen und Schadges voll alliierter Truppen: hier das Hauptquartier mit Artillerie und drei Regimentern, dort eine Eskadron Dragoner des Prinzen Holstein-Gottorp. Die Einquartierung dauert 13 Tage.

  11. 1759

    Mitte Mai reist Samtschultheiß Johann Christoph Trapp vom Gericht Stock- und Landenhausen ins alliierte Hauptquartier nach Ziegenhain, um die Fourage-Rechnungen begleichen zu lassen. Am 26. Juni werden 15.350 Gulden überwiesen.

  12. 23. 6. 1760

    Erneut ist von Einquartierungen und starken Truppenbewegungen die Rede.

  13. 1761

    Das kleinste und ärmste Gericht Stock- und Landenhausen hat länger als zwei Monate zwei Kompanien Reiter im Quartier. Anfang Juni muss es 20 Wagen mit je zwei Paar Ochsen für den Transport des Magazins nach Fulda stellen; dazu kommen ständig starke Durchzüge. Am 15. Juni richtet ein Wolkenbruch große Verwüstungen an. Weil es nicht genug Ställe gibt, stehen die Pferde der Reiter nachts in den Gärten und fressen die Bäume kahl.

  14. 1761–1762

    Eine „hitzige“ Krankheit, durch die Einquartierung eingeschleppt, geht um.

  15. 1762

    Im Frühjahr flüchten die Bauern mit ihrem Vieh in den Wald. Weil die Flucht unbegründet war, werden sie dafür bestraft. Am 21. und 22. Oktober fouragieren deutsche Truppen in Stockhausen.

  16. 1766

    Hier stirbt ein Kind aus dem fünften durchziehenden Transport von Kolonisten, die aus verschiedenen Ländern des Reiches nach Russland auswandern. Aus Stockhausen ziehen 46 Personen mit, Groß und Klein. Ohne herrschaftliches Verbot wäre wohl das halbe Dorf entvölkert worden. Nach Berichten der herrschaftlichen Emissäre sollen insgesamt 120.000 Menschen ausgewandert und 20.000 davon schon auf der Reise gestorben sein.

  17. 1772–1773

    Orgelbaumeister Wegmann aus Frankfurt baut eine neue Orgel.

  18. 1773

    Ein Hagelwetter vernichtet alle Feldfrüchte und biegt das Kreuz auf dem Kirchturm um.

  19. 1774

    Die Riedesel gewinnen den Prozess um den Kartoffelzehnten. Die Kirmes wird von Bartholomäi (24. August) auf Simonis und Judä (28. Oktober) verlegt, weil dann die Ernte vorbei ist.

  20. 1777

    Die Blattern wüten und raffen viele hinweg.

  21. 1786

    Die Gerichte Stock- und Landenhausen beschweren sich, weil sie viermal im Jahr Milizübungen abhalten müssen.

  22. 1787

    Das Gericht Stockhausen streitet mit dem Gericht Altenschlirf um ein Landstück im Zweifelsgraben.

  23. 1790–1807

    Bau des heutigen Schlosses. Etwa zu dieser Zeit lassen die Riedesel die ersten Tannen pflanzen.

  24. 1795

    Die Gemeinde verweigert der Herrschaft das Lehmfahren für den Bau einer Wirtschaft und protestiert gegen die Einsetzung eines Forstläufers.

Großherzogtum Hessen

  1. 1803

    Durch den Reichsdeputationshauptschluss erhält Hessen-Darmstadt größere Gebiete; der Landgraf erhält den Titel Großherzog.

  2. 1805

    Bisher wurden die Toten in Familiengräbern bestattet; dieser Brauch wird eingestellt.

  3. 1806

    Nach der Mediatisierung der riedeselschen Herrschaft kommt Stockhausen zum Großherzogtum Hessen. Nach und nach wird es von der Feudalherrschaft der Riedesel gelöst und in die hessische Verwaltung übernommen.

  4. 4. 8. 1806

    Um 5 Uhr nachmittags kommen ein französischer Kapitän und 90 Unteroffiziere im Eilmarsch von Schotten, um die Gerichtsorte Lauterbach, Altenschlirf und Stockhausen/Landenhausen zu besetzen. In der Nacht vom 26. auf den 27. September ziehen sie wieder ab.

  5. 1810

    Im Schlosspark wird das große Gewächshaus gebaut.

  6. 1812

    17 Söhne des Dorfes müssen in die Armee Napoleons einrücken; keiner sieht die Heimat wieder.

  7. 1812–1813

    Von Ende Dezember 1812 bis Oktober 1813 liegen nacheinander 59 französische Offiziere, 94 Wachtmeister und 1.611 Mann in Stockhausen im Quartier, wohl zur Sicherung der An- und Abmarschwege.

  8. 1813

    Nach der Völkerschlacht bei Leipzig kommt Blücher auf seiner „Franzosenjagd“ durch die Gemeinde. Am 1. November liegen 4.000 Mann russischer Truppen in der Gegend.

  9. 1814

    Beim Rückmarsch aus Frankreich ziehen Ende Mai und Anfang Juni Abteilungen des 2. Russischen Armeekorps durch.

  10. 11. 5. 1818

    In Stockhausen wird Ferdinand Briegleb geboren, der Dichter des Vogelsbergliedes.

  11. 13. 4. 1819

    Mit den Riedeseln wird ein Vergleich über das Deputatholz geschlossen.

  12. 1830

    In die baufällig gewordene Kirche wird eine ganz neue Südwand eingezogen.

  13. 1833

    Die Südwand der Kirche wird teilweise durch eine hölzerne ersetzt; die Decke, die während des Gottesdienstes knistert, wird abgestützt.

  14. 1837–1838

    Die neue Schule wird im herrschaftlichen Kutschergarten gebaut.

  15. 1838

    Am 16. Juli beschließt der Gemeinderat, der geplanten Spar- und Leihkasse nicht beizutreten, da bei der Gemeinde bereits eine Kreditleihkasse besteht.

  16. 1840

    Am 8. März wird der neue Friedhof eingeweiht.

  17. 1841

    Am ersten Pfingsttag lässt der Erbmarschall die Kirche wegen Baufälligkeit schließen. Am 6. Oktober wird eine Kleinkinderverwahranstalt eröffnet.

  18. 1843–1844

    Die alte Schule wird auf Abbruch verkauft und 1844 abgebrochen.

  19. 1844

    Die Orgel der alten Kirche wird von der Gemeinde Ersrode im Kurhessischen gekauft.

  20. 1845

    Die alte Kirche wird abgebrochen.

  21. 1846

    Das Fundament der neuen Kirche wird gelegt. Die sogenannten „Engeren Stockhäuser Bürger“ richten eine eigene Schafherde ein und dingen einen Schäfer. Im Herbst wird ein Volksleseverein mit an die 130 Mitgliedern gegründet.

  22. 10. 5. 1847

    Grundsteinlegung für die neue Kirche.

  23. 1848

    Unsicherheit in der Gegend, vor allem durch Wilddieberei kurhessischer Untertanen; die Forstbehörde ist in erhöhter Wachbereitschaft. Für den 7. Juli wird ein Angriff von „Gesindel“ auf das Schloss befürchtet. Im nahen Wald steht ein Kommando bereit – getarnt als geplanter Streifzug gegen die Wilddiebe, um niemanden herauszufordern.

  24. 1. 11. 1849

    Die neue Kirche wird feierlich geweiht.

  25. 1853

    Eine Gemeinde-Schäferei wird ins Leben gerufen und die Schäferei-Ordnung beschlossen.

  26. 1854

    Stockhausen schließt einen weiteren Vergleich mit den Riedeseln über das Jahrholz.

  27. 1866

    Erste Renovierung der neuen Kirche.

  28. 2. 9. 1872

    An der Bärenmauer wird zum ersten Mal das Sedansfest gefeiert.

  29. 16. 10. 1873

    Bei Heinrich Weinberger wird eine Kaiserliche Postagentur eingerichtet.

  30. 15. 2. 1874

    In der Gastwirtschaft Eidmann wird die Freiwillige Feuerwehr gegründet.

  31. 1877

    Am 6. Juni macht ein Blitzeinschlag in den Kirchturm eine Reparatur nötig. Am 25. August wird der Telegraf in Dienst gestellt.

  32. 1878

    Die Kirche erhält Dachrinnen und einen Blitzableiter.

  33. 1880

    Gründung der Spar- und Darlehnskasse.

  34. 1881

    Im Juli wird die fahrende Landpost eingerichtet.

  35. 1883

    Ein Großbrand zerstört die Anwesen von Langes und die Gastwirtschaft Eidmann.

  36. 15. 5. 1889

    Gründung des Obst- und Gartenbauvereins; erster Vorsitzender ist Johannes Oestreich.

  37. 1890

    Eine große Reparatur der Kirche wird fällig.

  38. 1893

    Für die erste Klasse wird eine zweite Schule gebaut, weil die bisherige von Anfang an zu klein war. Die Anwesen Schusterbeiesch und Kieheiches werden ein Raub der Flammen.

  39. 1894

    Am 15. Februar wird das neue Schulhaus eingeweiht. Am 12. Dezember gründet Lehrer Weitzel mit 65 Ortsbürgern den „Männerchor Stockhausen“.

  40. 29. 3. 1899

    Großer Brand von Stockhausen.

  41. 1900

    Im Frühjahr gründet Lehrer Weitzel auch den gemischten Chor; er leitet beide Chöre.

20. Jahrhundert

  1. 1. 11. 1901

    Die Bahnstrecke Lauterbach–Grebenhain wird eröffnet. Nächster Bahnhof ist Rixfeld; die Post muss dort von der Bahnpost abgeholt werden.

  2. 1905

    Bohrungen bis 630 Meter Tiefe an der Utzbach an der Straße nach Müs zeigen, dass die Buntsandsteinschicht hier 515 Meter stark ist; darunter werden Kalisalze gefunden. Pfarrer Lenz gründet den Posaunenchor.

  3. 1908

    Zwei neue Kirchenglocken werden angeschafft, im Ersten Weltkrieg aber wieder abgegeben.

  4. 1910

    Pfarrer Lenz gründet auch den Kirchenchor.

  5. 20. 5. 1911

    Brand im Niederndorf: Der Hof Muth wird vom Blitz getroffen.

  6. 1912

    Im April wird die Wasserleitung mit einem Hochbehälter und 34 Hydranten gebaut.

  7. 1913

    Mit der heutigen Orgel und der ersten Warmluftheizung wird eine weitere Renovierung der Kirche nötig.

  8. 1918

    Stockhausen gehört nun zum Volksstaat Hessen, nach dem Zweiten Weltkrieg zum Land Hessen.

  9. 1920

    In Stockhausen wird eine Krankenpflegestation gegründet. Am 5. Juni wird der Sportverein SVS gegründet; 1927 löst er sich wieder auf.

  10. 1922

    Einweihung der Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

  11. 11. 11. 1923

    Ein Krankenpflegeverein wird gegründet.

  12. 1925

    Der Saal Becker wird eingeweiht. Im März wird die „elektrische Fernleitung“ gebaut – Stockhausen bekommt Strom.

  13. 1926

    Gründung des Schützenvereins. Am 27. Juni wird ein Frauenverein gegründet; 120 Frauen treten in der konstituierenden Sitzung ein, erster Vorsitzender ist Pfarrer Bernbeck.

  14. 1927

    Die Kirche erhält wieder zwei neue Glocken.

  15. 20. 5. 1938

    Der Verein „Kleinkinderschule und Krankenpflegestation e. V.“ wird ins Leben gerufen.

  16. 13. 10. 1939

    Brand in der Mühle.

  17. 20. 5. 1940

    Die Feuerwehr erhält eine Motorspritze.

  18. 1943

    Am 8. Januar werden erneut Kirchenglocken beschlagnahmt, diesmal drei. Weil viele Männer im Krieg sind, wird am 20. Mai notgedrungen eine Mädchengruppe der Feuerwehr gebildet.

  19. 29. 3. 1945

    Die Kriegsfront passiert Stockhausen. Im Niederndorf brennen zwei Scheunen ab.

  20. 1946

    Neugründung des Sportvereins; erster Vorsitzender wird Heinrich Rauber.

  21. 1947

    Eine Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands wird unter dem Vorsitz von Hermann Christoph gegründet.

  22. 1949

    Zum hundertjährigen Bestehen wird die Kirche renoviert.

  23. 24. 5. 1950

    Die drei fehlenden Kirchenglocken werden durch neue ersetzt.

  24. 1952

    Die Lagerhalle der Raiffeisen-Genossenschaft wird gebaut. Am 14. September bringt der VHC in einer Gedenkfeier eine Ehrentafel für Ferdinand Briegleb am Pfarrhaus an.

  25. 1956

    Die Warmluftheizung der Kirche wird grundlegend geändert und 1963 von Koks auf Öl umgestellt.

  26. 1959

    Der neue evangelische Kindergarten wird gebaut (An- und Umbau).

  27. 1963–1968

    Flurbereinigung. Alle Brücken werden neu gebaut, darunter die Wiesenwegbrücke.

  28. 11. 1. 1963

    Gründung der Gefriergemeinschaft.

  29. 1965

    Der Kindergarten wird um einen zweiten Gruppenraum erweitert.

  30. 1966

    Die Kirchturmuhr von 1865 wird durch eine neue ersetzt.

  31. 17. 2. 1968

    Wiedergründung des KK-Schützenvereins; erster Vorsitzender ist Baron Kurt-Joachim Riedesel Freiherr zu Eisenbach.

  32. 1969

    Der Verkehrsverein wird gegründet.

  33. 1970

    Neubau des Bankgebäudes der Spar- und Darlehnskasse.

  34. 1972

    Im August wird Stockhausen nach Herbstein eingegliedert.

  35. 1974

    Gründung des Landfrauenvereins.

  36. 1978–1979

    Bau des KK-Schießstandes am Weinberg.

  37. 6./7. 5. 1980

    Warnstreik der Stockhäuser Eltern: „Rettet die Schule, laßt die Schule im Dorf.“

  38. 17. 8. 1983

    Nach einem Wolkenbruch werden Keller leer gepumpt und Geröll und Schlamm von Haupt- und Nebenstraßen geräumt.

  39. 1984

    Bau des Schützenhauses am Weinberg.

  40. 1986–1987

    Die umfangreichste Renovierung der Kirche; 1987 wird die vollständig renovierte Kirche wieder eingeweiht.

  41. 1990–1991

    Der Kindergarten wird vollständig umgebaut und erweitert.

  42. 4. 7. 1992

    Die Feuerwehr erhält ein neues Löschfahrzeug.

  43. 1993–1994

    Großer Ausbau des Bankgebäudes der Spar- und Darlehnskasse Stockhausen.

  44. 1994

    Der Turmhelm der Kirche wird in einer spektakulären Aktion gegen einen neuen ausgetauscht.

  45. 1999

    Der Friedhof wird umfassend erneuert, mit neuen Wegen und einer Hangstufenbefestigung. Ein neuer Wasserhochbehälter wird gebaut und eingeweiht.

Chronik: Hans-Jürgen Döll, www.hjdoell.de. Mehr zur Heimatforschung beim Arbeitskreis Dorfgeschichte Stockhausen.