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Stockhausen Stadt Herbstein Vogelsbergkreis
Unser Dorf

Stockhausen im Vogelsberg

Der größte Ortsteil von Herbstein liegt idyllisch im Tal der Altefeld am Nordostrand des Vogelsbergs. Als östlichster Stadtteil grenzt er ans Fuldaer Land – hier beginnt schon das Buntsandsteingebiet, das sich östlich an den Vogelsberg-Basalt anschließt. Der Jakobsweg von Fulda über Blankenau nach Herbstein führt am Dorf vorbei. Der Name leitet sich von den Wurzelstöcken und Baumstümpfen ab, die nach einer Rodung stehen blieben. Hier wurde 1841 der älteste Dorfkindergarten im damaligen Großherzogtum Hessen eingerichtet.

Luftbild von Stockhausen: das Dorf mit roten Dächern inmitten von Wiesen und Feldern, im Hintergrund bewaldete Hügel
Stockhausen aus der Luft im Frühling · Foto: Marc Ahne
Geschichte

Von Stochusen bis heute

  1. Vorzeit

    Zahlreiche Hügelgräber ringsum und in der Gemarkung zeugen von jahrtausendealter Besiedlung. In geöffneten Gräbern fand man zwei Lanzenspitzen, eine Dolchklinge, zwei Spiralnadeln, eine Nadel, ein Diadem und einen Schlüssel.

  2. 1274

    Erste Erwähnung des Nachbardorfs „Bettelenstokhusen“ – Bettler-Stockhausen, im Unterschied zu Kirchstockhausen, dem heutigen Stockhausen. Später wird daraus „Bedelsdorf“ (an anderer Stelle auch „Bedelsburg“).

  3. 1287

    Älteste urkundliche Erwähnung: Als „Stochusen“ wird der Ort genannt, als zur Gründung des Klosters Blankenau Güter und Einkünfte in Stockhausen gestiftet werden.

  4. 1324

    Eine Urkunde im Archiv in Lauterbach nennt den Ort „Kirchststoghußen“ – zur Unterscheidung vom benachbarten Bettler-Stockhausen.

  5. 1428

    Stockhausen ist alter Sitz eines Hoch- oder Blutgerichts. Die Junker Riedesel übernehmen das Gericht Stockhausen.

  6. 1465

    In der Fuldisch-Riedeselschen Fehde, auch Steinsche Fehde genannt, werden Stockhausen und Schadges für neutral erklärt – Kloster Blankenau und die Riedesel haben hier beide Besitz. Die meisten anderen Orte des Stockhäuser Gerichts werden zerstört. Wer nach Stockhausen geflohen ist, muss bleiben und dort bauen; das Dorf wächst.

  7. 1534

    Die zerstörten Dörfer liegen noch immer wüst. Der Propst von Blankenau beschwert sich über die Riedesel, die dem Kloster Abgaben und Frondienste entzogen haben.

  8. 16. Jh.

    Adolph Hermann Riedesel lässt die Hermannsburg erbauen, den Vorgängerbau des heutigen Schlosses.

  9. 1603

    Gründung der Freischule.

  10. 1680

    Die Riedesel werden in den Freiherrenstand erhoben.

  11. 1770

    Baubeginn des barocken Schlosses auf den Mauern der Hermannsburg, unter Baumeister Georg Koch für Friedrich Georg Riedesel.

  12. 1801–1807

    Das Schloss wird mit weiteren Umbauten fertiggestellt.

  13. 1841

    Gründung des ersten Kindergartens im damaligen Großherzogtum Hessen – des ältesten Dorfkindergartens dort.

  14. 1846–1849

    Neubau der evangelischen Kirche als neuromanische Saalkirche anstelle eines älteren Gotteshauses; Einweihung 1849. (Zum Baubeginn nennen die Quellen 1846 oder 1847.)

  15. 1852

    Stockhausen gehört nun zum Kreis Lauterbach in der Provinz Oberhessen.

  16. 1874

    Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Stockhausen.

  17. 1880

    Gründung der Spar- und Darlehenskasse Stockhausen.

  18. 1894

    Gründung des Gesangvereins „Germania“ als Männergesangverein.

  19. 1899

    Ein Großbrand zerstört im Nordosten des Dorfes 22 Wohn- und 33 Nebengebäude. Im selben Jahr wird der Obst- und Gartenbauverein Stockhausen gegründet.

  20. 1900

    Gründung des gemischten Chores „Germania“. Das Bürgerliche Gesetzbuch löst die Riedesel’schen Verordnungen ab, die bis dahin als Sonderrecht galten.

  21. 1920

    Gründung des Sportvereins Stockhausen.

  22. 1946

    Neugründung des Sportvereins Stockhausen.

  23. 1970

    Für den Ausbau der Ortsdurchfahrt kauft die Straßenbauverwaltung Häuser zum Abriss an. Die Straße soll geradlinig über die im Vorjahr gebaute Brücke führen.

  24. 1972

    Am 1. August wird Stockhausen im Zuge der hessischen Gebietsreform Ortsteil der Stadt Herbstein.

  25. 1981

    Stockhausen gehört nun zum Regierungsbezirk Gießen.

  26. 2026

    Ab 5. Oktober wird die Ortsdurchfahrt gemeinsam mit HessenMobil grundhaft erneuert – Fahrbahn, Gehweg und Teile der Versorgungsleitungen.

Rund ums Dorf

Gute Böden und verschwundene Dörfer

Stockhausen liegt im Ostvorland des Vogelsbergs, zum Teil auf Buntsandstein. Im Tal wurden mit die besten Böden der Gegend ermittelt, die Vegetationszeit ist länger als im eigentlichen Vogelsberg – deshalb wachsen hier in geschützter Lage reichlich Obstbäume. Schon im Mittelalter war Stockhausen der größte Ort des Gerichts.

Kloster Blankenau besaß im Gericht Stockhausen acht Dörfer und Wüstungen: Niederndorf, Bedelsdorf, Gensdorf, Stockhausen, Schadges, Rixdorf (Rixfeld), Reichlos und Rippach. Nach der Fehde von 1465 blieben viele davon wüst; ihre Bewohner wurden in Stockhausen angesiedelt. Einige dieser Orte lassen sich noch in Flurnamen und im Boden finden.

erwähnt ab 1324, 1556 als Wüstung

Dankenrod

Lag im engen Altefeldtal zwischen Stockhausen und Schlechtenwegen, nahe dem mittelalterlichen Ortesweg. Ein künstlicher Hügel (351 m) deutet auf einen befestigten Hof – im Volk erzählt man von einer Burg der Herren von Dankenrod. Scherben, Hüttenlehm und Eisenschlacken zeugen von drei weiteren Gebäuden und einer Eisenschmelze. Die Flur wird bis heute von Schlechtenwegen und Stockhausen aus bestellt.

1312–1502 belegt

Rissbach

Lag unterhalb von Dankenrod am Prinzenbach. 1312 schenkte Mechthildis, Witwe Trabothos von Eisenbach, das Dorf dem Kloster Blankenau. Die Flurnamen „in der Risswich“ und „am Forellenteich“ erinnern noch daran; 1848 kannte man den Namen „Rissbach“ noch.

1323 erstmals genannt

Gersdorf (Gerwigesdorf)

Benannt nach einem Mann namens Gerwig. Die Flur „am Gersters“ am Fuß des Kirchbergs ist der letzte Rest des Dorfes; seine terrassierten Äcker gehören heute zum engsten Stockhäuser Ackerland.

1274 erwähnt

Bedelsdorf (Bettelenstokhusen)

Das „Bettler-Stockhausen“. Wo es lag, ist nicht überliefert. Infrage kommt ein wüster Ortsplatz auf der erhöhten „Hauswiese“ in einer Schleife der Altefeld unterhalb des Dorfes, gleich neben den „Stockackerwiesen“.

heute ein Hof

Niederndorf („Nindorf“)

Lag am Eulrichsborn unterhalb des Landenhäuser Steins und wurde in der Fehde zerstört. Später entstand dort wieder ein Hof, der heute noch steht. Der Name Eulrich (Euler = Töpfer) spricht für eine Töpferei. Laut Wikipedia leben dort heute drei Menschen.

Damals und heute

Die neue Ortsdurchfahrt

Für den Ausbau der Ortsdurchfahrt wurden Häuser abgerissen, damit die Straße geradlinig über die neue Brücke führen konnte. Zweimal derselbe Blick über die Dächer – den Regler ziehen, um vorher und nachher zu vergleichen.

Nach dem Straßenbau: eine breite, geschwungene Ortsdurchfahrt mit Autos führt durch das Dorf
Vor dem Straßenbau: eine schmale Gasse zwischen dicht stehenden Fachwerkhäusern
Vorher Nachher
Fotos: Karl Wienold
Zeitungsfoto: Häuserzeile an der Ortsdurchfahrt, dahinter der Kirchturm
Diese Häuser in Stockhausen werden demnächst abgerissen, da sie ein Verkehrshindernis bedeuten. Es ist vorgesehen, in diesem Jahr die Ortsdurchfahrt auszubauen. Das bedeutet, daß die Straße gradlinig über die im vergangenen Jahr neu erstellte Brücke verlaufen wird. Die Straßenbauverwaltung hat die in Frage kommenden Gebäude auf Abbruch angekauft. Die früheren Besitzer wollen an anderer Stelle neu bauen. Lauterbacher Anzeiger, 1970
Zum Nachlesen

Verwaltung und Gerichte im Wandel

Zu welchem Staat und Kreis Stockhausen gehörte

vor 1803
Heiliges Römisches Reich, Gericht Stockhausen der Riedesel zu Eisenbach (Mannlehen des Fürstbistums Fulda)
ab 1806
Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Fürstentum Starkenburg, Gericht Stockhausen
ab 1815
Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Provinz Oberhessen, Amt Altenschlirf
ab 1821
Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Herbstein
ab 1825
Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Lauterbach
ab 1848
Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld
ab 1852
Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach
ab 1867
Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach
ab 1871
Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach
ab 1918
Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach
ab 1938
Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Kreis Lauterbach
ab 1945
Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Lauterbach
ab 1946
Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Lauterbach
ab 1949
Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Lauterbach
ab 1972
Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt Herbstein
ab 1981
Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Herbstein

Zuständige Gerichte seit 1806

ab 1806
Riedeselsches Patrimonialgericht Altenschlirf, zweite Instanz Hofgericht Gießen
1821–1853
Landgericht Altenschlirf
ab 1853
Landgericht Herbstein
ab 1879
Amtsgericht Herbstein (Bezirk des Landgerichts Gießen)
ab 1943
nur noch Zweigstelle des Amtsgerichts Lauterbach
ab 1968
Amtsgericht Lauterbach

Eigenes Recht

In Stockhausen galten die Riedesel’schen Verordnungen als Sonderrecht; das allgemeine „Gemeine Recht“ nur dort, wo sie nichts regelten. Formal blieb das auch im Großherzogtum Hessen so, vor Gericht wurden im 19. Jahrhundert aber nur noch einzelne Bestimmungen angewandt. Am 1. Januar 1900 löste das Bürgerliche Gesetzbuch das Sonderrecht ab.

Sehenswert

Was man gesehen haben sollte

Schloss Stockhausen: langgestreckter Barockbau mit Torbogen und Uhrturm hinter einer Rasenfläche mit Teich
Foto: Marc Ahne

Schloss Stockhausen

Dreiflügeliges Barockschloss der Riedesel, ab 1770 auf den Mauern der Hermannsburg errichtet und 1807 vollendet. Dazu gehört ein gepflegter Rokoko-Landschaftsgarten, der öffentlich zugänglich ist und von Menschen mit Beeinträchtigung gepflegt wird. Einige der Baumriesen im Park stammen noch aus Samen, die General Riedesel aus dem Nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg mitbrachte. Eigentümerin von Schloss und Park ist heute die Gemeinschaft Altenschlirf.

Die evangelische Kirche aus der Luft: roter Sandsteinbau mit Turm und Uhr, davor die Freitreppe
Foto: Marc Ahne

Evangelische Kirche

Patronatskirche der Freiherren Riedesel, 1849 eingeweiht: ein längsrechteckiger, neuromanischer Saalbau mit schlankem, eingebautem Frontturm und einer Fassade aus roten Sandsteinquadern. Ein Kulturdenkmal.

1812

Conrads-Ruhe

Mausoleum der Familie Riedesel im klassizistischen Stil, erbaut von Johann Conrad Riedesel. Es liegt südwestlich des Dorfes am westlichen Ende eines großen Waldstücks.

1937

Hubertuskapelle

Kleine Kapelle ganz in der Nähe der Conrads-Ruhe.

Rund ums Schloss

Leben und Arbeiten mit der Gemeinschaft Altenschlirf

Auf dem Schlossgelände wird gelernt, gewebt, gegärtnert und gefeiert. Auch im „Lädchen für alles“, das die Gemeinschaft Altenschlirf betreibt, gibt es neben dem täglichen Bedarf Produkte aus den eigenen Werkstätten.

  • Campus am Park

    Seit 2009 Fachschule für Heilerziehungspflege im Schlosspark.

  • Weberei

    Werkstatt für Teppiche, Kissen, Tischwäsche und Küchenhandtücher – auf Wunsch auch Unikate und neue Produkte.

  • Kontiki

    Tagesstrukturgruppe auf dem Schlossgelände.

  • Demeter-Hofladen

    „Frisch von hier: Gemüse und Obst aus dem Schlossgarten!“ – im Schlosshof, montags bis freitags geöffnet.

  • Johannimarkt

    Jedes Jahr Mitte Juni im Schlosspark: Handwerkliches aus den eigenen Werkstätten und aus anderen sozialen Einrichtungen.

Quellen: Wikipedia, Artikel Stockhausen (Herbstein), Schloss Stockhausen und Evangelische Kirche Stockhausen (Herbstein) (Lizenz CC BY-SA 4.0); Ortsbeschreibung Stockhausen (2026).